IBM Notes/Domino 9.0: Einfach nur eine weitere Notes Version oder ein Schritt in die richtige Richtung?

Ja, die neue Version ist jetzt auch schon fast wieder ein halbes Jahr “alt”, aber ich finde dass IBM ein guter Wurf gelungen ist und man sollte durchaus weiterhin versuchen der allgemeinen “wir migrieren sowieso bald alle nach Exchange” Lethargie entgegenzuwirken.

Eines ganz zu Beginn: IBM hat meiner Meinung nach die Versprechen, die auf der Lotusphere 2010 mit der Ankündigung von „Project Vulcan“ vielen als unrealistisch erschienen zu einem großen Teil eingelöst.

Im Fokus der aktuellen Notes Version steht die Integration in die Social Business Plattform, allen voran IBM Connections. Nicht ohne Grund hat IBM den Namenszusatz „Social Edition“ gewählt um dies zu verdeutlichen. Aber auch die Integration anderer Systeme wird durch die Unterstützung offener Standards erheblich erleichtert und beschränkt sich nicht nur auf den eigenen IBM Produktkatalog.

Der Notes Client, aber auch der Webmail Client iNotes wurden einer grundlegenden Frischzellen Kur unterzogen. So wurde z.B. das Design modernisiert und mit der gesamten Social Business Plattform unter dem Schlagwort „OneUI“ vereinheitlicht. Ein großer Wert wurde aber auch auf den verbesserten Bedienungskomfort gelegt, was manchmal erst auf den zweiten Blick in vielen kleineren Detail Verbesserungen zu erkennen ist.

Das hört sich im ersten Moment für viele Kritiker vielleicht nicht nach einem wirklich großen Wurf an, so sollte man es aber nicht unbedingt sehen. Man muss ja nicht immer mit jeder Version alles Bekannte über Bord werfen und das Rad völlig neu erfinden. Mit der „Social Edition“ ist IBM eine gute Mischung gelungen. Die Bestandskunden bekommen eine neue, sehr stabile, moderne Version der bekannten Software, ohne sich erstmal wochenlang in neue Techniken oder Funktionen einarbeiten zu müssen und ohne komplexe Migrationen der Systeme durchführen zu müssen. Unter der Haube steckt aber noch sehr viel mehr, was einen aber im ersten Moment aber nicht beunruhigen muss. Die Basis funktioniert weiter wie gewohnt und man kann sich schrittweise an die komplexen Neuerungen herantasten.

Das Upgrade war noch nie so einfach

Im Gegensatz zu anderen Systemen rückt das Thema Upgrade, was die Komplexität und den Aufwand angeht, immer weiter in den Hintergrund. Eine bestehende Notes/Domino Umgebung auf die aktuelle Version zu migrieren ist technisch gesehen wirklich nicht sehr schwer. Es gibt wie üblich ein paar Dinge zu beachten, aber im Großen und Ganzen ist beim Upgrade kaum mit Problemen zu rechnen.

Lediglich die doch sehr zusammengestrichene Anzahl an unterstützten Betriebssystemen kann im Vorfeld das Ein oder Andere OS Update voraussetzen, bevor man sich der Domino Server Migration widmen kann. Alle für Domino 9.0 unterstützten Betriebssysteme im Überblick findet man hier.

Im Grunde verfolgt IBM aber wieder die Strategie, den Kunden das Upgrade möglichst einfach zu machen. Das Update auf die neue Version ist lediglich der Anfang, interessant wird es erst danach, wenn man sich mit den ganzen neuen Funktionen im Detail beschäftigen kann.

Nach einem Upgrade der Server oder der Clients bekommt der Anwender einige neue Features automatisch, wie z.B. das neue Client Design oder das neue iNotes, alles andere kann man sich nach und nach in Ruhe anschauen, ausprobieren und schrittweise an die Anwender ausrollen.

Auch die Kompatibilität zwischen den Versionen ist nahezu immer gegeben. Man kann heute noch eine 20 Jahre alte Applikation ohne jegliche Design Anpassung auf einem aktuellen Domino Server betreiben. Das funktioniert bei anderen Herstellern teilweise nicht mal zwischen zwei direkt aufeinander folgenden Versionen.

Der Webmail Client (iNotes)

iNotes wurde meiner Meinung nach in den letzten Versionen nur halbherzig weiter entwickelt. Das hat sich mit Version 9 komplett verändert. Der iNotes Client (ja, man kann wirklich Client dazu sagen) wurde extrem verbessert, nicht nur was das Design angeht, sondern auch funktional. Alle neuen Features wie die Unterstützung von SAML Authentifizierung oder die OpenSocial Plug-ins (dazu später mehr) werden zu 100% auch im iNotes unterstützt.

iNotes_Screenshot01

iNotes_screenshot02

Es werden keinerlei Java Applets oder Active-X Plug-Ins benötigt und jeder halbwegs aktuelle Browser wird unterstützt.

Wie schon erwähnt kann man von einem Client sprechen, weil es sich wirklich so anfühlt. Nicht nur das Design stimmt verblüffend mit dem des Notes Clients überein, die Anwender können auch viele Funktionen aus dem Client im Browser wiederfinden.

  • Mails per Drag-n-Drop in Ordner verschieben
  • Tastatur Befehle wie ENTF-Taste zum Löschen von Mails
  • Kontext Menüs
  • Bilder und Screenshots aus der Zwischenablage in neue Mails einfügen
  • Die Kalender Overlay Funktion (muss separat aktiviert werden)
  • und noch viel mehr…

Das Notes Browser Plug-In

In der Vergangenheit wurde iNotes meistens nur als externer „Behelfszugang“ für den Zugriff auf Mails und den Kalender verwendet. Es war eigentlich nie ein vollwertiger Ersatz für den Notes Client. Aus dem einfachen Grund, weil die Anwender im Alltag meistens auch auf Notes Datenbanken zugreifen müssen und diese i.d.R. nicht webfähig sind.

Die vor einigen Jahren eingeführte XPages Technologie bietet zwar eine gute Möglichkeit für Anwendungsentwickler moderne Notes Applikationen zu entwickeln, die ohne Anpassung auch im Browser funktionieren, aber in vielen Unternehmen wird eine Überarbeitung der vorhandenen Applikationen nur sehr langsam oder gar nicht voran getrieben.

An dieser Stelle kommt das neue Browser Plug-In ins Spiel. Im Grunde verbirgt sich hinter diesem „Plug-In“ ein kompletter Notes Basic Client, der im Framework eines Browsers ausgeführt wird (Internet Explorer ab Version 8 oder Firefox ab Version 10, derzeit nur für Windows). Dadurch haben die Anwender im Browser Zugriff auf alle Notes Aplikationen, ohne dass diese in irgendeiner Weise für einen Web Zugriff angepasst werden müssen. Sie müssen nicht einmal auf einem Domino 9 Server betrieben werden, man kann auf jede Domino Server Version damit zugreifen.

BrowserPlugin-Screenshot

Es gibt zwei Installationsvarianten des Notes Plug-Ins:

1. Als Stand-Alone Installation
– migriert meinen existierenden Client quasi in den Browser
– alle meine Icons und Bookmarks werden in den Browser übernommen

2. Als optionaler Bestandteil des Notes Standard Clients
– kann in diesem Fall nicht parallel geöffnet werden
– man „teilt“ sich aber das gleiche Datenverzeichnis, also den Workspace, Bookmarks, lokale Repliken und alle Einstellungen

Natürlich reduziert der Einsatz eines solchen Plug-Ins etwas die Vorteile eines reinen Server basierten Webmail Clients, da dieses Plug-In wiederum auf allen Rechnern installiert und konfiguriert werden muss. Die Konfiguration beschränkt sich aber auf das Allernötigste und kann komplett automatisiert werden. Die nötigen Notes User-IDs können automatisch aus dem ID-Vault des Servers geladen werden.

Der größte Vorteil liegt jedoch darin, dass sich dadurch eine echte Trennung zwischen Mail- und Applikationsclient ergibt. Dies wurde schon seit Jahren von vielen Kunden gefordert und damit nun endlich Realität. Zusätzlich hat man den Vorteil, dass die primäre Mail Komponente komplett Server basiert verwaltet werden kann ohne jeglichen Client Rollout.

Der Notes Client

Bei allen Neuerungen im iNotes und dem Browser Plug-In sollte man aber den Notes Client nicht vergessen, auch hier hat sich viel getan seit der letzten Version. Nicht nur das Design wurde verändert, ganz weit vorne sollte man auch die verbesserte Performance und Stabilität nennen.

Neben vielen kleineren Detailverbesserungen sind aber auch einige komplett neue Features hinzugekommen, wie die Unterstützung des OpenSocial Standards und OAuth, welcher die Integration weitere Systeme direkt in den Client oder sogar direkt in einzelne Mails als „embedded Experience“ ermöglicht.

Embedded_Experience

ActivityStream

Durch die Unterstützung des SAML Standards ist es aber auch möglich die User Authentifizierung z.B. gegen das bestehende Active Directory durchzuführen. Dadurch entfällt die komplette Passwort Verwaltung im Notes (Notes IDs + HTTP Passwörter).

Der Domino Server

Der Domino Server ist und bleibt eine äußerst robuste und flexible Plattform. Grundlegend hat sich nicht viel verändert, aber es sind einige interessante neue und beachtenswerte Funktionen hinzugekommen.

Quality of Service bietet eine kleine aber feine Server Überwachung, mit der man die Erreichbarkeit der Domino Server überwachen und nötigenfalls gezielt eingreifen kann.

Compact Replication ist nur einer der vielen neuen Parameter für den Compact Task um z.B. eine regelmäßige Wartung auf sehr große Datenbanken durchführen zu können, ohne diese offline nehmen zu müssen

Database Maintenance Tool übernimmt die komplette Wartung der Datenbanken eines Servers und führt selbstständig z.B. compact oder fixup tasks durch sobald diese notwendig sind. Konfiguriert wird das Ganze nur anhand eines oder mehrerer Zeitfenster, die man dem Server für seine Maintenance vorgeben kann, der Rest wird automatisch durchgeführt.

Das waren nur einige der Highlights neben vielen weiteren Neuerungen, wie die SAML Authentifizierung, OAuth Unterstützung oder TLS Verschlüsselung.

Alles in allem sehe ich erstmal wieder optimistisch in meine berufliche Zukunft in der Notes/Domino Welt und bin sehr gespannt wo die Reise hin gehen wird…

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2 Responses to IBM Notes/Domino 9.0: Einfach nur eine weitere Notes Version oder ein Schritt in die richtige Richtung?

  1. Wirklich sehr gute Übersicht über das neue Release auch wenn es für meinen Geschmack etwas zu unkritisch ist. Ich hätte da nämlich schon ein paar kritische Anmerkungen. http://petterralf.blogspot.co.at/2012/12/notes-9-als-anwender-erster-blick-hui.html

    • Stephan Kopp says:

      ja da stimme ich zu, es gibt noch viele Baustellen an denen es nötig wäre grundlegende Änderungen vorzunehmen, aber manchmal muss man auch mal das Posititve etwas in den Vordergrund stellen… 🙂

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