IBM Verse im täglichen Einsatz, ein erster Erfahrungsbericht nach 8 Wochen

Ich bin durchaus neugierig geworden durch die Eindrücke, die man auf der IBM ConnectED und auch schon letztes Jahr von IBM Verse gewinnen konnte. Die Hoffnung keimte auf, dass IBM wirklich einen sinnvollen Nachfolger für den Notes Client auf die Beine stellt und nicht wieder einfach “nur” irgendwie eine nächste Version, die doch wieder hinter allen Konkurrenten zurück bleibt.

Dann bekam ich meinen Beta Zugang und war wild darauf endlich Hand an das neue Produkt zu legen. Jedoch machte sich sehr schnell Ernüchterung breit… Aber es lag nicht am Produkt, das Design überzeugte, die schnelle und einfach zu bedienende Browser Oberfläche auch. Es lag daran, dass man den wirklichen Nutzen der ganzen Detail Arbeit an jedem einzelnen Icon und an jeder Funktion erst zu schätzen weiß, wenn man den Client wirklich alltäglich mit seinem live Mail Account verwendet und nicht nur ein paar Test Mails verschickt.

Da wir glücklicherweise eine Hybrid Konfiguration bei uns in der Firma haben und einige Postfächer in der SmartCloud von IBM liegen, war ich in der vorteilhaften Lage auch mein produktives Postfach für die IBM Verse Beta aktivieren zu lassen.

Meine Eindrücke nach einigen Tagen:

  • sehr ansprechendes Design
  • sehr schnell und performant
  • keine aufklappbaren Menüs oder klick-Marathons bis ich eine Funktion finde… es sind weniger Funktionen, aber die sind schnell und einfach erreichbar
  • ich liebe die neue Suche, wirklich sehr gut gelungen
  • die Analytics Komponenten sind definitiv noch nicht so ausgereift wie sie angekündigt wurden, da wird IBM sicher noch weiter dran arbeiten (müssen)
  • das Arbeiten fühlt sich wirklich gut an und ich persönlich vermisse bislang nur wenige Funktionen
  • bis auf die Tagesansicht, die immer angezeigt wird ist der Kalender noch der “alte” iNotes Kalender, der bekommt hoffentlich auch noch irgendwann eine Überarbeitung

Nüchtern betrachtet, ist es zunächst wirklich ein Rückschritt was den reinen Funktionsumfang angeht. Man muss sich unvoreingenommen darauf einlassen und die altbekannte Arbeitsweise einfach mal aussen vor lassen. Nach einiger Zeit war ich überrascht wie wenig der ganzen Funktionen des Notes Clients oder von iNotes ich wirklich vermisse.

Ich bin nicht gerade ein Mitglied der viel genannten Zielgruppe von Anwendern, die mehrere hundert Mails pro Tag bekommt und für die Verse ja eigentlich konzipiert sein soll. Ich arbeite immer noch klassisch meine Mails ab in dem ich sie alle lese und danach entscheide was zu tun ist.

Im Prinzip rückt Verse die für mich wesentlichen Funktionen in den Vordergrund:

  1. lesen und löschen (der Papierkorb)
  2. lesen und aus Inbox entfernen (das mittlere Minus Icon / oder in Ordner verschieben, das Icon rechts oben über der Mail)
  3. lesen und für mich selbst als ToDo markieren, weil ich aktiv etwas tun muss (das rechte Klemmbrett Icon)

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Diese 3 sich ständig wiederholenden Aufgaben kann ich sehr schnell und effektiv über die hervorgehobenen Icons durchführen und werde dabei nicht durch zu viele unnütze Menüs, Funktionen, Schaltflächen, etc. überfordert.

Natürlich gibt es noch viele weitere nützliche Funktionen, mir persönlich gefällt z.B. auch die Möglichkeit Mails direkt beim Senden mir selbst auf Wiedervorlage zu setzen. So kann ich z.B. jemanden nach einer Präsentation fragen und mir selbst gleichzeitig einen Reminder für nächste Woche setzen, um nochmal nachzufragen falls keine Antwort kam.

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Es gibt zwei Typen von markierten Mails: Nr 1 sind die bei denen ich etwas tun muss und Nr 2 sind Antworten auf die ich noch warte. Das Ganze ersetzt natürlich keine komplexe ToDo Applikation (ich verwende dafür Wunderlist auf Mac und iOS). Um kleinere Aufgaben rund um meine Mails zu verwalten finde ich es aber gut gelungen, weil es schnell und einfach einsetzbar ist. Für eine einfach Übersicht sorgen diese beiden Schaltflächen und entsprechende Icons in der Inbox und den Mails:

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Ebenfalls erwähnenswert ist die sehr gut gelungene Suchfunktion. Dadurch habe ich mich auch komplett von meiner Ordner Struktur verabschiedet. Ich sortiere nichtmehr wie wild alle Mails in Ordner und überlege verzweifelt in welchem jede einzelne Mail nun besser aufgehoben ist. Ich muss meine Mails nichtmehr sortieren um sie später zu finden, sondern die Suchfunktion ist (zumindest für meine Anforderungen) gut genug um schnell und einfach Mails wiederzufinden ohne sich vorher die Mühe machen zu müssen sie in die richtigen Ordner zu sortieren.

Die Sucheingabe ist jederzeit schnell und einfach erreichbar und sobald ich dort anfange zu tippen bekomme ich durch den Typeahead direkt Vorschläge angezeigt.

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Meine Suchergebnisse kann ich dann noch weiter verfeinern indem ich z.B. weitere Personen auswähle, weiter Suchbegriffe eintippe, nur Mails suche die einen Anhang haben, etc…

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Eines fehlt mir hierbei aber dennoch, eine Tagging Funktion. Es wäre sehr hilfreich, wenn ich ein- und ausgehende Mails mit einem oder mehreren eigenen Tags versehen kann um diese zu markieren. Wenn ich z.B. an einem Kundenprojekt arbeite, möchte ich alle Mails mit der Projekt Nummer versehen damit ich sie leichter wieder finden kann. Ich hoffe dass IBM ein solches Feature noch nachliefert und zusätzlich vielleicht auch mit erweiterten Analytics/Watson Funktionen versieht.

Das waren nur einige wenige der vielen Funktionen und netten Details, die man gar nicht alle aufzählen kann… ich versuche in nächster Zeit noch ein paar Posts zu schreiben um einen tieferen Eindruck von IBM Verse zu vermitteln.

Im Verlauf der Beta und vor allem gegen Ende, kurz vor der Veröffentlichung hat IBM sehr intensiv gearbeitet und beinahe täglich neue Funktionen eingebaut. Hier zeigt sich der Vorteil der Cloud first Strategie, dass IBM in ihrer eigenen Umgebung sozusagen am laufenden System entwickeln, testen und verbessern kann ohne auf die langwierigen Produktzyklen von on-Premise Software angewiesen zu sein. Ich erhoffe mir noch viele Verbesserungen und neue Features in der Cloud zu sehen, bevor Ende des Jahres das on-Premise Paket geschnürt wird.

Meiner Meinung nach überzeugt IBM Verse nicht durch Unmengen von neuen Funktionen, sondern durch die Rückkehr zum Wesentlichen. Das neue Design Konzept beinhaltet nicht nur eine nette neue Oberfläche, sondern es wurde wirklich jede kleine Funktion von Grund auf überdacht und vor allem auf Notwendigkeit hin überprüft. Viele gewohnte Funktionen aus dem Notes Client fehlen zwar (einige werden sicherlich noch übernommen), aber wenn man sich auf das neue Konzept einlässt, dann überzeugt es auch.

Ich bin bereits nach einigen Tagen komplett umgestiegen und benutze den Notes Client nur noch wenn ich den Admin oder Designer Client benötige. Unsere internen Applikationen haben wir sowieso schon zum größten Teil Browser fähig gemacht und gerade deshalb fühlt sich das Browser Konzept für mich sehr stimmig an.

Als problematisch sehe ich aber genau das, was ich zu Beginn geschrieben habe. Mich hat IBM Verse erst überzeugt, als ich es mit meinem produktiven Mail Account verwendet habe. Das bedeutet meiner Meinung nach, es kommt viel Arbeit auf IBM und auch auf uns Business Partner zu um die Kunden von den Vorteilen zu überzeugen.

Meine Empfehlung für alle interessierten Notes/Domino Kunden ist deshalb die IBM SmartCloud Hybrid Konfiguration und nicht nur ein Freemium Test Account.

Vorteile der Hybrid Option:

  • die eigene Notes/Domino Umgebung wird mit der IBM Cloud verbunden
  • Mail Routing läuft weiter wie bisher über die eigene Infrastruktur
  • einzelne User können in die Cloud umgezogen oder eigene Testuser dort angelegt werden
  • diese User arbeiten dann weiter mit der gleichen Notes ID und Mail Adresse, nur eben auf einem IBM Server
  • das komplette Mailfile kann in die Cloud übernommen werden, ich starte nicht mit einem leeren Postfach

Es bleibt spannend, ob IBM mit Verse wirklich den Absprung vom Notes Client schafft und die Kunden überzeugen kann den neuen Weg mit zu gehen. Mich zumindest haben sie überzeugt!

Weitere Erfahrungsberichte, vor allem über die Connections/Files/Docs Integration werden folgen…

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