Eine Reise muss im Kopf beginnen

Es war lange ruhig in meinem Blog, mit diesem Artikel möchte ich ihn wieder etwas aufleben lassen. Es soll eine Geschichte einer Reise werden. Keine Sorge, obwohl ich gerade frisch aus dem Urlaub zurück bin, wird das hier jetzt kein Reiseblog (den habe ich hier). Es geht um eine Reise, die primär in meinem Kopf stattgefunden hat und meiner Meinung nach eigentlich nie zu Ende sein wird. Es geht um meine berufliche Neuausrichtung, von einem eingefleischten, gelb blutenden Lotus Notes Entwickler, hin zu einem OpenSource verfechter und Fullstack Developer.

Nach meinem Studium, bzw. schon währenddessen habe ich mich in die Lotus Notes Welt eingearbeitet. In jahrelanger Arbeit habe ich viel Erfahrung und Wissen im Infrastruktur- und Entwicklungsumfeld angehäuft. Ich habe nie ernsthaft darüber nachgedacht, etwas anderes zu machen. Die Arbeit machte Spaß, die Kollegen waren toll und an das Produkt hatte man sich irgendwann gewöhnt. Negative Meinungen konnte ich lange Zeit gar nicht nachvollziehen und habe es meistens leichtfertig auf die Unwissenheit der Leute geschoben. Selbst als die Migrationen in Richtung Exchange immer weiter um sich gegriffen haben, war ich ein eiserner Verfechter der Plattform und bin nicht müde geworden um sie zu kämpfen.

Ich kann rückwirkend gar nicht so richtig einen Zeitpunkt ausmachen, als sich diese Einstellung bei mir geändert hat. Es war mehr ein fließender Prozess. Es gab auch einige Änderungen in meinem Arbeitsumfeld, durch zahlreiche Übernahmen und Umstrukturierungen habe ich mir immer öfter Gedanken über meine Zukunft gemacht. Doch eigentlich habe ich nie wissentlich die Entscheidung getroffen, ich will ab jetzt kein Lotus Notes mehr machen. Rein aus Interesse habe ich angefangen mich eher im privaten mit anderen Themen zu beschäftigen. Auch das ist lange Jahre so gut wie auf der Strecke geblieben, ich hatte schlichtweg kein Interesse an etwas anderem.

Meine erste Exkursion war die iOS Entwicklung. Da ich mit dem iPhone zu einem absoluten Apple Fan mutiert bin, war es für mich naheliegend mich damit mal etwas zu beschäftigen. Doch so ganz konnte ich meine Wurzeln nicht los lassen. Das erste was mir eingefallen ist, war eine iOS App um auf unseren Lotus Notes Teamkalender zuzugreifen. Nach einigen Büchern, dem bekannten Stanford Online Kurs App Enwicklung und vielen, vielen Stunden war die App fertig und im App Store. Alles in meiner Freizeit und ohne damit extra Geld zu verdienen, aber es hat enorm viel Spaß gemacht. Die Lehre, die ich für mich daraus gezogen habe, war nicht dass ich meine Zukunft jetzt als iOS Entwickler Suche. Sondern vielmehr, wieviel Spaß es mir gemacht hat, mich mit etwas Neuem zu beschäftigen ohne auf die Release Zyklen einer IBM angewiesen zu sein.

Nächster Stopp war dann die Java Entwicklung. So ganz neu war es aber nicht für mich. Im Lotus Notes Umfeld hatte ich schon etwas Berührung damit, aber nicht so wirklich viel. Ich war lange Zeit kein Freund von Java, kann aber gar nicht so richtig erklären warum. Vermutlich war es eine Mischung aus Unwissenheit und ein paar schlechten Erfahrungen. Der Funke hat bei mir gezündet als ich das erste mal die JAX in Mainz besucht habe. Zunächst wurde mir klar, dass ich überhaupt nichts weiß. Ich habe viele Sessions besucht und mir ohne Ende Notizen gemacht, was ich mir alles durchlesen muss um die Zusammenhänge zu verstehen, die hier im Raum anscheinend jeder schon kennt. Mit einer riesigen Bugwelle vor mir an Dingen die ich noch nicht weiß, aber auch einer ganzen Menge Ideen und Motivation, habe ich mich dann ans Werk gemacht. Spring Boot war eines dieser Stichworte, die ich in den Sessions des öfteren gehört und mir als erstes angesehen habe. Die Lernkurve war sehr hart zu nehmen, gefühlt hinter jeder Ecke sind neue Themen aufgetaucht, die ich noch nicht kannte: Maven? Was ist das? Git? Nie gehört. REST? Kenne ich nur rudimentär. Welche Entwicklungsumgebung soll ich nehmen? Wie zum Geier bekomme ich jetzt noch ein schickes UI? Und, und und…

Das Prinzip von Spring Boot hat mir gefallen. Ohne viel Verständnis und quasi ohne Grundstudium trotzdem recht schnell zu annehmbaren Ergebnissen. Der gleiche Grund hat mich zum Vaadin Framework gebracht. Erstmal bei Java zu bleiben und trotzdem ein Browser Frontend hin zu bekommen, ohne auch noch JavaScript und HTML mit auf die Agenda zu nehmen war hilfreich. Ich habe für die Themen viel Zeit, primär Freizeit geopfert. Von der Firma und meinem Chef wurde ich hier nicht sonderlich unterstütz, außer dass ich nach langen Diskussionen die Jax Konferenz besuchen durfte. Mein Geld habe ich weiterhin mit Lotus Notes verdient, wobei hier die Motivation immer weiter nachgelassen hat.

Dann bekam ich eines Tages eine Gelegenheit, die mir zwar viele schlaflose Nächte beschert hat, aber ich habe es nie bereut. Ein Kunde kam auf mich zu, mit dem ich schon seit vielen Jahren im Notes Umfeld sehr gut zusammengearbeitet habe. Für deren Migration von Notes nach Exchange hatte ich ihnen vor einiger Zeit ein recht umfangreiches Projekt Tool entwickelt, um die Migration zu planen und soweit möglich zu automatisieren. Jetzt stand bei ihnen die Migration von einer gehosteten Exchange Umgebung in die Microsoft Cloud an. Klingt erstmal nicht kompliziert, aber die Details sind dann doch immer recht tückisch, vor allem bei einer Größenordnung von 50.000 Usern und mehr. Die Frage war, ob ich solch ein Projekt Tool noch einmal entwickeln könnte. Dieses mal kam Notes natürlich nicht in Frage und ich habe die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, bin ins kalte Wasser gesprungen und habe gesagt dass ich das hin bekomme. Das war mein erstes Projekt außerhalb der IBM und Lotus Notes Blase, mit dem ich Geld für die Firma verdient habe. Es hat mich eine Menge Schweiß gekostet, aber am Ende habe ich eine gut funktionierende Spring Boot und Vaadin Applikation hin bekommen, die wir in einer AWS Umgebung gehostet haben. Dabei sind mir noch x weitere Themen über den Weg gelaufen: AWS, Build Pipelines, automatische Deployments, Message Queues, Active Directory und und und… Ich glaube ich habe in meinem Leben noch nie so viel gelernt wie in dieser Zeit, aber auch noch nie so wenig geschlafen. Als dieses Projekt beendet war, viel es mir sehr schwer mich wieder ernsthaft mit Lotus Notes zu beschäftigen. So einfach war es natürlich nicht, noch weitere Projekte in dieser Art zu generieren. Für mich war klar, dass meine Zukunft jetzt vielleicht nicht zwingend genau in diesem Bereich liegt, aber auf jeden Fall nicht mehr bei Lotus Notes.

Dieses Projekt liegt jetzt schon einige Zeit zurück. Ja, ich mache immer noch Lotus Notes Projekte, aber zu meinem Glück ist das mittlerweile nur noch ein ganz kleiner Teil meiner Arbeit. Eigentlich nur noch die Betreuung meines Migration Managers für Notes nach Exchange, den wir als Produkt verkaufen und ich (leider) immer noch betreuen muss. Bei Spring Boot bin ich hängen geblieben und habe auch einen weiteren Kollegen damit anstecken können, sodass ich das jetzt nicht mehr alles alleine machen muss. Für das UI Thema bin ich von Vaadin abgekehrt und habe mich mit Angular beschäftigt. Hauptsächlich aus dem Grund, da wir hier einige Synergie Effekte mit den Sharepoint Entwicklern haben, die ebenfalls damit arbeiten.

Aktuelles Thema, mit dem ich mich seit Anfang des Jahres beschäftige sind Microservices. Das habe ich auch wie üblich auf einer Konferenz aufgeschnappt und die Logik und Vorteile haben mich relativ schnell überzeugt. Als kleines Lernprojekt habe ich mit einem Kollegen Anfang des Jahres einen Teamkalender entwickelt (ja, wieder das Thema mit dem ich iOS begonnen hatte, aber mittlerweile sind wir auch nach Exchange migriert). Diesen haben wir als Microservice Applikation konzipiert, entwickelt und danach war ich von dem Konzept restlos begeistert. Das ist wohl auch bei unserem CTO gut rüber gekommen, als wir das auf einer internen Veranstaltung gezeigt haben. Prompt dürfen wir seitdem unseren Digitalhub in eine Microservice Applikation überführen und weiter entwickeln.

Ich muss sagen, ich habe damit einen Punkt meiner Reise erreicht, an dem mir die Arbeit wieder enorm viel Spaß macht. Die Reise ist damit aber bestimmt noch nicht beendet, ich bin gespannt welches Thema als nächstes um die Ecke kommt und meinen Funken wieder entzündet.

 

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